Mittwoch, 15 März 2017 14:09

Stadt Lingen erläßt Kastrationspflicht

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Beschluss im Rat : Stadt Lingen führt Kastrationspflicht für Katzen ein

noz04.2017
Diese Katze ist krank und lebt in der Quarantäne-
station des Lingener Tierheims.
Foto: Wilfried Roggendorf
Lingen. Der Rat der Stadt Lingen hat eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht von freilaufenden Hauskatzen beschlossen.

Laut einer Liste des Deutschen Tierschutzbundes gibt es (Stand Juli 2016) 352 Orte in Deutschland, in denen eine solche Pflicht besteht. Diese Liste können die Tierschützer nun nach dem einstimmig gefassten Stadtratsbeschluss um Lingen erweitern.

Krankheiten übertragen

Katrin Möllenkamp, Leiterin des Fachbereichs Bürgerservice, Recht und Ordnung der Stadt Lingen, begründet die Maßnahme mit der stark ansteigenden Zahl verwilderter Hauskatzen. „Diese sind oft krank oder verletzt und können auch Krankheiten auf Menschen übertragen“, sagt sie. Es seien auch in Lingen Bereiche bekannt, in denen verwilderte Hauskatzen offensichtlich gefüttert würden und sich unkontrolliert vermehrten.

Appell an die Bürger

„Doch nur Füttern ist zu kurz gedacht“, kritisiert Möllenkamp und appelliert an das Problem- und Verantwortungsbewusstsein der Bürger. Man müsse sich nichts vormachen: „Ohne Mitwirkung der Bürger lässt sich die Katzenschwemme nicht eindämmen“, sagt Möllenkamp.

Zahl verwilderter Katzen reduzieren

Durch die Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht solle die Zahl der verwilderten Katzen auf lange Sicht reduziert werden, erklärt die Fachbereichsleiterin. Wenn ihre Kollegen im Außendienst wiederholt freilaufende Katzen sehen würden, könnten sie kontrollieren, ob diese Tiere mit einem Chip oder einer Tätowierung gekennzeichnet seien. „Wenn nicht, werden diese Tiere ins Tierheim gebracht“, sagt Möllenkamp. Von daher sei es im eigenen Interesse der Katzenhalter, ihre Tiere kennzeichnen zu lassen und zu registrieren.

Anlassbezogene Kontrollen

Dass eine flächendeckende oder tägliche Kontrolle aller Katzen in Lingen unmöglich ist, weiß Möllenkamp. „Kontrollen werden eher anlassbezogen stattfinden“, erklärt sie. Wenn sich ein Katzenhalter konsequent weigere, sein freilaufendes Tier kastrieren zu lassen, habe die Stadt die Möglichkeit, den Eingriff auf Kosten des Halters vornehmen zu lassen. Ein Bußgeld ist in diesem Fall aber nicht vorgesehen. „Darauf haben wir bewusst verzichtet, weil wir nicht gleich mit Drohgebärden und der Bußgeldkeule kommen wollen“, setzt Möllenkamp mehr auf die Einsicht der Katzenhalter.

 

Erfolge in Osnabrück

Einen solchen Weg hat auch die Stadt Osnabrück eingeschlagen. Dort herrscht seit 2012 eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen. Jürgen Wiethäuper, Leiter des Osnabrücker Fachdienstes Ordnung und Gewerbe, schätzt die Entwicklung seitdem positiv ein. „Die Zahl verwilderter und sich unkontrolliert vermehrender Katzen in Osnabrück ist deutlich zurückgegangen und weiter kontinuierlich rückläufig“, erklärt er. Zugleich sei die Zahl der in Tierdatenbanken registrierten Katzen aus Osnabrück seit Inkrafttreten der Registrierungspflicht deutlich gestiegen.

 

Tierschützer begrüßen Maßnahme

Sonja Rolfes, Zweite Vorsitzende des Lingener Tierschutzvereins, freut sich über die Einführung der Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen in Lingen. „Wir haben im Moment 160 Katzen in unserer Obhut.“ Damit sei das Lingener Tierheim vollkommen überbelegt. „Wir haben einen Teil auf Pflegestellen verteilt. Ich habe selber derzeit eine Katze mit sechs Welpen zuhause aufgenommen“, erklärt die Tierschützerin. Auch sie verspricht sich von der Maßnahme auf Dauer ein Ende der Katzenschwemme. „Die wird aufhören, aber nicht in ein oder zwei Jahren“, ist sich Rolfes sicher, dass es seine Zeit braucht, bis ein Erfolg der Kastrationspflicht sichtbar wird.

 

Kastration kostet Geld

Für die Lingener Katzenhalter bedeutet die neue Pflicht, falls ihre Tiere noch nicht kastriert und gekennzeichnet sind, dass sie in den Geldbeutel greifen müssen. Die Kastration einer Katze kostet bei den Lingener Tierärzten, wie eine Nachfrage unserer Redaktion ergeben hat, im Schnitt rund 120 Euro. Bei einem Kater werden rund 75 Euro fällig. Um eine Katze chippen zu lassen, kommen noch einmal 35 Euro hinzu. Die Registrierung in Tierdatenbanken ist hingegen in der Regel kostenlos.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung

 
Gelesen 671 mal Letzte Änderung am Sonntag, 10 Dezember 2017 09:46

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